VCI Nordost //
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Chemieindustrie in Ostdeutschland: Raffinerien sichern Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Versorgungssicherheit
Nora Schmidt-Kesseler, Hauptgeschäftsführerin VCI Nordost, betont auf einer Fachtagung der Raffineriewirtschaft:
„An den ostdeutschen Chemiestandorten entscheidet sich die Zukunft einer ganzen Region – ohne starke Raffinerien und Chemieparks stehen Wertschöpfung, Arbeitsplätze und sozialer Frieden auf dem Spiel."
Raffinerien sind weit mehr als Kraftstofflieferanten: Sie bilden das industrielle Fundament der chemischen Industrie und sind damit elementarer Bestandteil für Versorgungssicherheit, Wertschöpfung und Beschäftigung in Ostdeutschland. So produziert etwa die Total Energies Raffinerie in Leuna jährlich hunderttausende Tonnen Methanol und Naphtha – Grundstoffe für Kunststoffe, Medizinprodukte, Isoliermaterialien, Windkraft- und Elektroauto-Komponenten.
Nora Schmidt-Kesseler, Hauptgeschäftsführerin des VCI Nordost, wies darauf am Dienstag bei einer Branchenveranstaltung der TotalEnergies Raffinerie und des Wirtschaftsverbands Fuels und Energie en2x in Leuna hin.
„Anlagen, wie die in Leuna, liefern mehr als 70 Prozent der Grundstoffe für die organische chemische Industrie und stehen im Zentrum hochintegrierter Stoffverbünde mit tausenden gut bezahlten Industriearbeitsplätzen. Wenn es der Chemieindustrie schlecht geht, leidet auch die Raffineriewirtschaft", betonte sie.
Chemisch-pharmazeutische Industrie für Versorgungssicherheit
Angesichts geopolitischer Spannungen, Handelskonflikten und der aktuellen Lage in Nahost warnte Nora Schmidt-Kesseler davor, energieintensive Industrien aus Europa zu verdrängen.
„Die Versorgung mit strategisch-wichtigen Chemikalien und pharmazeutischen Wirkstoffen ist längst keine reine Wirtschaftsfrage mehr – sie ist eine Frage staatlicher Souveränität und politischer Handlungsfähigkeit."
Deutschland und Europa müssen deshalb ihre industrielle Basis erhalten und stärken, statt sich stärker von Importen abhängig zu machen.
Chemieindustrie als wirtschaftlicher Anker Ostdeutschlands
Sie betonte auch die enorme wirtschaftliche Bedeutung der Branche für die Region. Die Chemie- und Raffineriestandorte in Mitteldeutschland seien Treiber für Beschäftigung, kommunale Einnahmen und wirtschaftliche Stabilität.
„An jedem Arbeitsplatz der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Ostdeutschland hängen bis zu vier weitere Jobs. Ohne sie sind Wohlstand, Arbeitsplätze und Stabilität in Ostdeutschland nicht zu sichern."
Die Branche benötigt drei konkrete Voraussetzungen, um in Deutschland bestehen und sich transformieren zu können: International wettbewerbsfähige Energiepreise, einen konsequenten Abbau überbordender Bürokratie sowie langwieriger Genehmigungsverfahren und realistische klimapolitische Rahmenbedingungen.
„Transformation braucht Realitätssinn. Wir müssen Klimaschutz, Versorgungssicherheit und industrielle Wettbewerbsfähigkeit zusammen denken."
Als politisches Signal kündigte Nora Schmidt-Kesseler an, dass der VCI Nordost mit der Raffineriewirtschaft und der Gewerkschaft IGBCE den gemeinsamen „Chemie- und Raffineriepakt Ostdeutschland" mit dem Land Sachsen-Anhalt unterzeichnen wird – ein klares Bekenntnis aller Beteiligten zur Zukunft der Branche in der Region.