Landtagswahlen 2026
3 Fragen an…die Spitzen der Parteien vor der Berliner Abgeordnetenhauswahl 2026
Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus im September geht es auch um die Zukunft Berlins als wettbewerbsfähigen Innovations- und Industriestandort. Die chemisch-pharmazeutische Industrie ist dabei ein starkes Fundament: 56 Pharma- und Chemieunternehmen sowie rund 280 Biotech-Unternehmen beschäftigen knapp 10.000 Menschen und erwirtschaften mehr als 7,4 Milliarden Euro Umsatz – rund 17 Prozent des Berliner Industrieumsatzes.
Gleichzeitig wächst der Druck auf den Standort: lange Genehmigungsverfahren, steigende regulatorische Anforderungen und politische Unsicherheiten bremsen Investitionen und Innovationen. Deshalb bitten wir die Spitzenkandidaten um klare Antworten.
Steffen Krach, Berliner Spitzenkandidat der SPD
1. Bürokratie abbauen oder weiter regulieren – was hat Vorrang?
„Ich will unnötige Hürden abbauen und Prozesse beschleunigen. Dafür hole ich mir in den ersten 100 Tagen und dann regelmäßig die besten Tekkies der Stadt ins Rote Rathaus, um manche Bürokratie-Knoten zu hacken. Ich will die Digitalisierung in der Berliner Verwaltung zum Standard machen und zugleich ein neues Verständnis von Verwaltung aufbauen: Wir sind die Berlin-Macher, nicht die Berlin-Bremser. Ermöglichen statt verhindern, das ist mein Ansatz. Verwaltung heißt für mich Service.“
2. Ihr erster Hebel für mehr Wettbewerbsfähigkeit in Chemie und Pharma?
„Pharma, Chemie, Life Science – das sind Felder, die Berlin stark machen und auf denen wir als Innovationsstandort zur weltweiten Spitze gehören können. Das ist jedenfalls mein Anspruch und deshalb will ich die Zusammenarbeit zwischen der Wissenschaft und Wirtschaft besser strukturieren und gezielt fördern. Zweitens werde ich die regulativen Rahmenbedingungen für unsere Forschung und die forschungsintensiven Unternehmen auf den Prüfstand stellen und, wo nötig, Bremsklötze lösen. Und drittens geht es auch darum, die Flächen und Fachkräfte zu sichern, die die Branche braucht, um zu wachsen.“
3. Braucht Berlin einen wirtschaftspolitischen Kurswechsel?
„Ich will den Wachstumskurs halten, weil Berlin eine starke Wirtschaft braucht. Nicht von ungefähr beginnt unser Wahlprogramm mit dem Thema Wirtschaft. Für mich als Sozialdemokrat ist gute Arbeit nur möglich, wenn sich unsere Wirtschaft gut entwickelt. Manche sagen, Berlin sei keine Industriestadt. Ich sage: Wir haben eine Industrie, ich will, dass sie wächst und wir stolz darauf sind, diese Unternehmen in der Stadt zu haben. Aber wir müssen auch größer denken: Gerade im Bereich der Chemie- und Pharmaindustrie müssen wir uns als Region begreifen und gemeinsam in Ostdeutschland Strategien entwickeln, wie wir die Branche stärken. Sie ist ein Leuchtturm und muss es auch bleiben.“
Christoph Meyer, Berliner Spitzenkandidat der FDP
1. Bürokratie abbauen oder weiter regulieren – was hat Vorrang?
„Vereinfachung – ganz eindeutig. Verfahren dauern zu lange, sind oft nicht oder nicht vollständig digital und überkomplex. Politik kann die Wettbewerbsfähigkeit und die Innovationskraft von Unternehmen steigern –indem man die Unternehmen das tun lässt, was sie am besten können und eigentlich auch wollen: forschen, entwickeln, produzieren. Das jüngste Beispiel politischer Übersteuerung und überbordender Bürokratie würde mit den Freien Demokraten in Regierungsverantwortung nie durchkommen: die Ausbildungsplatzumlage. Sie ist das sprichwörtliche Bürokratiemonster und bestraft mittelständische Unternehmen.“
2. Ihr erster Hebel für mehr Wettbewerbsfähigkeit in Chemie und Pharma?
„Die chemische und pharmazeutische Industrie muss machen dürfen. Wer die Pharmaindustrie unter Generalverdacht stellt, gefährdet nicht „Konzerne“, sondern medizinischen Fortschritt, Arbeitsplätze und Versorgungssicherheit. Wollen wir Medikamente, Impfstoffe und Hightech-Medizin künftig aus möglicherweise autoritären Staaten importieren? Die Branche braucht Chemiker, Laboranten, Ingenieure, IT-Spezialisten und internationale Spitzenforscher. Deshalb will ich schnellere Anerkennung ausländischer Abschlüsse und auf Landesebene englischsprachige Verwaltungsangebote und eine echte Willkommenskultur für Hochqualifizierte. Auf Bundesebene würden wir eine Pharma- und Chemieagenda 2035 anstoßen: ein gemeinsames Modernisierungsprogramm für Forschung, Produktion und industrielle Souveränität in Deutschland.“
3. Braucht Berlin einen wirtschaftspolitischen Kurswechsel?
„Berlin kann nicht Weltstadt sein wollen und gleichzeitig wirtschaftspolitisch auftreten, als sei Unternehmertum ein Störfaktor. Genau dieses Denken hat dazu geführt, dass wir trotz enormer Potenziale noch immer Nettoempfänger im Länderfinanzausgleich sind. Ich will einen klaren Kurswechsel: weg von Misstrauen gegenüber Wachstum, hin zu einer Politik, die Leistung, Innovation und Investitionen wieder möglich macht.“